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Tanztheater CARPUT MORTUUM
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Harald Haack: Die Reise nach Bern war für mich zunächst nur ein Abstecher gewesen. Aber anderseits wollte ich nicht ohne einen zusätzlichen und wichtigen Grund zu Dr. Hörr nach Plochingen zwecks PET-Untersuchung fahren. Übers Stichwort “Parfüm” hatte ich Stephan Fuchs via Internet kennen gelernt und er mich. Nach einigen Informationen über die Gefahren von Parfümen, hatte ich ihm eine meiner Erzählungen, “PATINA”, zugesandt und ein paar Wochen später fragte er mich, ob ich Stoffe für Tanztheater hätte. Sein Freund Marcel Leemann suche nämlich dergleichen.

Harald Haack und Marcel Leemann während der Arbeit am Exposé zu Carput Mortuum in Bern, fotografiert von Stephan Fuchs.

Tanztheater? Spontan fiel mir dazu meine Arbeit als 2. Kameramann ein, als ich für eine Reportage Pina Bausch während einer Fernsehaufzeichnung erlebt hatte. Das muß irgendwann Ende der Siebziger Jahre gewesen sein.  Die Leistung ihres Ensembles hatte mich tief beeindruckt und in mir ein besonderes Interesse für Bühnentanz geweckt.  Als mein Vater 1996 starb, hatte ich meine Trauer in Musik zum Ausdruck gebracht. “In the Deep” nannte ich die Kompositionen. Ich sah eine Verwendung fürs Ballett. Nachdem ich alle Tracks in einem Tonstudio für eine CD gemastert hatte, fiel mir im Februar 1997 ein neues Thema für eine weitere Ballettmusik ein. Ich nannte es “Carput Mortuum”. Damals sah ich im Geiste Grabräuber in altägyptische Gräber eindringen. Tanz mit viel Staub und Wüstensand. Obwohl sich mir 10 Jahren zuvor schon heftige Krankheitssymptome gezeigt hatten, ahnte ich im Februar ‘97 noch nicht was mir bevorstand. Ich komponierte aus dem Bauch heraus...

Im Oktober ‘97 passierte es dann bei Dreharbeiten zu einer Fernseh-Reportage in Salzwedel, meine Geburtsstadt. Vor dem Lockschuppen des Bahnwerks wurde ich mit Unkrautvernichtungsmittel kontaminiert. Unversehens war ich in eine Dunstwolke des Gemisches aus Amitrol und Diuron geraten. Auf der Stelle hatte ich dabei die Besinnung verloren und mir während meines Sturzes die rechte Schulter gebrochen. Monate später, im Frühjahr 1998, merkte ich mit einem Mal, dass ich kein Parfüm, kein Deo, kein Rasierwasser, kein Haarwaschmittel mehr vertrug. Da ich als Journalist die Recherche beherrschte, kümmerte ich mich intensiv um medizinische Informationen. Das hat mich psychisch vor einen Absturz bewahrt. Aber je mehr ich erfuhr, desto mehr blickte ich unter den Teppich unserer Gesellschaft und sah den ganzen Dreck von Diffamierung und Unvernunft.

So wußte ich, als Stephan mich nach einem Stoff fürs Tanztheater fragte, sofort was ich anzubieten hätte: Carput Mortuum, und ich merkte, dass Carput Mortuum nicht nur ein Begriff für zu Farbpigment zerriebene Mumien sein kann. mehr...

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